Das Matterhorn Nordwand Projekt

Dieser tolle, eindrucksvolle, aber auch dramatische Bericht erreichte uns vor kurzem. Norbert hatte sich im Vorfeld auf seine Besteigung des Matterhorns bei uns den Höhenkammer bei seiner Höhenanpassung auf 5000m vorakklimatisiert.

„Hallo liebe Freunde,
Ich gebe hier mal ein Update für alle „Mitfiebernden“ von unserem Matterhorn Projekt, was sich ja vermutlich rumgesprochen hat.
Vorweg: Es ist diesmal wieder nicht gelungen den P.4478m über unsere angestrebte Nordwand zu erreichen. Tommi und ich sind am Dienstag den 2.6. über den „Trockenen Steg“ hochgefahren – die Bahn Schwarzsee fährt zur Zeit nicht – um dann zur ebenfalls aktuell geschlossnen Hörnlihütte zu kommen. Mit einigen Umwegen kamen wir dort um 18:00 an und richteten uns zum Biwak. Die letzten Wolken verschwanden, es war komplett windstill und die Aussicht auf die Walliser 4000er inklusive Matterhorn war gewaltig. Mit uns waren noch vier Tschechen da, wovon zwei den Hörnligrat machen wollten und die anderen beiden so wie wir die Nordwand.

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Tommi an unserem Biwak oberhalb der Hörnlihütte

Im Hintergrund Dom und Täschhorn noch leicht in Wolken

das Matterhorn im Abendlicht

das Matterhorn im Abendlicht

Noch ist es warm...

Noch ist es warm…

Mondaufgang hinter dem Breithorn

Mondaufgang hinter dem Breithorn

Nachdem die Sonne verschwand zog zu unserer Freude die Temperatur rasch an und es bildete sich bereits Rauhreif auf unseren Schlafsäcken. Dann hieß es um 1:45 aufstehen und fertig machen. Wir traversierten den uns bereits bestens bekannten unteren Matterhorngletscher zum ersten Bergschrund um über eine Steilstufe zum oberen Matterhorngletscher zu gelangen. Die Tschechen waren ca eine halbe Stunde früher losgegangen und wir konnten somit in ihren Spuren gehen. Trotzdem brachen wir oft im Schnee ein, weswegen ich schon ein ungutes Gefühl hatte. Auf dem oberen Gletscherplateau muss man ungefähr 500m unter der Wand nach rechts traversieren.

Die Überwindung der ersten Steilstufe im Licht der Stirnlampen

Wir holten die Tschechen ein, die wohl etwas zu früh versuchten den Bergschrund zu überwinden. Wir gingen direkt weiter bis in Höhe des Einstiegs der Bonattiroute, wo in diesem Jahr der Bergschrund überwindbar schien. Dann waren wir endlich in der Wand und begannen zu klettern. Das Gelände ca 50° steil, aber mit nun deutlich besserem Trittfirn. Obwohl wir noch die Nachwirkungen des anstrengenden Zustiegstags in unseren Beinen spürten waren wir jetzt happy relativ rasch an Höhe zu gewinnen.

Der zweite Bergschrund in Falllinie der Bonatti problemlos zu überwinden

Guter Trittfirn, endlich ging es los…

300m waren wir nun in die Wand vorgedrungen

Da wir den Bergschrund wie gesagt sehr weit rechts überwunden hatten mussten wir nun das Eisfeld in einer leicht nach links ansteigenden Querung aufwärts klettern. Es begann zu dämmern und hinter Dom und Täschhorn verfärbte sich der Himmel in rosarot. Plötzlich hören wir das unverkennbare Rauschen einer Lawine. Alle von uns blicken sofort nach oben und sahen eine Steinlawine direkt auf uns zu rasen. Einen Bruchteil einer Sekunde dachte ich: „Okay, das war’s!“. Gerade noch konnten wir uns an das Eis schmiegen und die Eispickel krampfhaft festhalten. Nach und nach begannen uns einzelne Steine zu treffen, die Kletterhelme bewahrten uns vom Bewusstlos werden, auf die Rucksäcke, Arme oder Hände bekamen wir Steine ab. Das Ganze dauerte sicher 30 Sekunden, erst dann konnten wir wieder überhaupt nach oben sehen. Wir fragten alle ab und wie durch ein Wunder hatten alle von uns nur ein paar Prellungen abgekriegt. Die Tschechen entschieden sich sofort zum Rückzug und auch wir kamen überein, dass ein Rückzug die einzige Wahl ist, denn sowas kann sicher nochmal kommen wenn erst die Sonne in den oberen Wandteil scheinen sollte. Tatsächlich aber blieb dieser Steinschlag, der uns genau in den zwei Minuten erwischte als wir dort traversierten, der einzige am ganzen Morgen. Wir stiegen also wieder alles ab, zurück zu unseren Biwakplätzen und schleppten unser ganzes Zeug anschließend wieder runter nach Zermatt. Die Tschechen blieben noch am Biwak, da sie noch auf ihre Kameraden am Hörnligrat warten wollten.

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Die Tschechen kletterten unmittelbar hinter uns in unserer Spur

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Der verwackelte Blick im ersten Licht des Tages auf die Stelle wo gerade die Lawine hergekommen ist

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Abklettern über den oberen Bergschrund

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Weiter Abklettern

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Blick zum Sonnenaufgang hinter Dom und Täschhorn. Unten liegt Zermatt.

Also war es nun Anfang Juni offenbar schon wieder zu warm für die Wand, obwohl es bei den Zermatter Bergführen kürzlich noch hieß, dass es normalerweise noch bis Anfang Juli gehen soll. Anyways, es war verdammt knapp, aber wir wären diesmal eigentlich sicher durchgekommen, da die restlichen Bedingungen wie Verhältnisse und Wetter insgesamt ideal waren. Es wir vermutlich im Winter besser gehen, obwohl der Zustieg zur Wand dann noch aufwändiger sein sollte… Aber eben, unter diesen Vorraussetzungen ein Rückzug sicher das Klügste. Trotzdem: Aufgeben tun wir deswegen ja noch nicht… 🙂

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Die Nordwandand vom Abstieg nach Zermatt aus gesehen. Verhältnisse top!

Grüße
Nobi“